Qualitätsprüfung und Compliance-Kontrolle bei Kabelbäumen
Compliance Aktuell 2026

RoHS und REACH für Kabelbäume: Der Compliance-Leitfaden 2026

Exemption 6(c) läuft am 21. Juli 2026 aus, die SVHC-Kandidatenliste wächst auf über 250 Stoffe und eine PFAS-Beschränkung steht bevor. In diesem Leitfaden erkläre ich alle Anforderungen, Grenzwerte und Fristen, die Einkäufer und Ingenieure bei Kabelbäumen kennen müssen.

RoHS vs. REACH: Was ist der Unterschied?

Viele Einkäufer verwenden die Begriffe RoHS und REACH synonym -- das ist ein gefährlicher Fehler. Beide Verordnungen regulieren Gefahrstoffe in Produkten, aber mit völlig unterschiedlichem Umfang und Mechanismus. Für Kabelbäume und Kabelkonfektionen sind beide relevant, da sie sowohl als elektrische/elektronische Geräte (RoHS) als auch als chemische Erzeugnisse (REACH) eingestuft werden können.

AspektRoHS 3REACH
Vollständiger NameRestriction of Hazardous SubstancesRegistration, Evaluation, Authorisation, Restriction of Chemicals
EU-Richtlinie/Verordnung2011/65/EU (Neufassung 2015/863)Verordnung (EG) Nr. 1907/2006
GeltungsbereichElektro- und Elektronikgeräte (EEE)Alle chemischen Stoffe in der EU
Eingeschränkte Stoffe10 Stoffe253+ SVHC auf Kandidatenliste
Schwellenwert0,1 % (0,01 % bei Cadmium)0,1 % für SVHC (pro Erzeugnis)
NachweisSelbsterklärung + techn. DokumentationLieferketten-Kommunikation + SCIP-Datenbank
KonsequenzenBußgelder bis 100.000+ EUR, RückrufZollbeschlagnahme, Vertriebsverbot, Bußgelder

Wichtig zu verstehen: RoHS ist eine Produktverbotsrichtlinie mit festen Grenzwerten für 10 definierte Stoffe. REACH ist eine umfassende Chemikalienverordnung, deren Kandidatenliste halbjährlich wächst. Beide müssen parallel eingehalten werden. Mehr zu den relevanten Zertifizierungen im EU-Markt.

Die 10 eingeschränkten Stoffe unter RoHS 3

Seit der Delegierten Richtlinie (EU) 2015/863 -- auch bekannt als RoHS 3 -- sind nicht mehr nur 6, sondern 10 Stoffgruppen eingeschränkt. Die vier zusätzlichen Phthalate (DEHP, BBP, DBP, DIBP) sind besonders für Kabelbäume relevant, da sie als Weichmacher in PVC-Isolierungen vorkommen.

Blei (Pb)

Max. 0,1 %

Lötzinn, PVC-Stabilisatoren, Messing-Kontakte

Besonders kabelbaum-relevant

Quecksilber (Hg)

Max. 0,1 %

Schalter, Relais (selten in Kabelbäumen)

Cadmium (Cd)

Max. 0,01 %

Galvanische Beschichtungen, Kontaktoberflächen

Besonders kabelbaum-relevant

Chrom VI (Cr6+)

Max. 0,1 %

Korrosionsschutz auf Steckverbinder-Gehäusen

Besonders kabelbaum-relevant

PBB

Max. 0,1 %

Flammschutzmittel in Kunststoffteilen

PBDE

Max. 0,1 %

Flammschutzmittel in Gehäusen, Tüllen

DEHP

Max. 0,1 %

Weichmacher in PVC-Kabelisolierung

Besonders kabelbaum-relevant

BBP

Max. 0,1 %

Weichmacher in PVC-Ummantelungen

DBP

Max. 0,1 %

Weichmacher in flexiblen PVC-Kabeln

DIBP

Max. 0,1 %

Ersatz-Weichmacher in PVC-Produkten

* Alle Konzentrationsangaben beziehen sich auf Gewichtsprozent in homogenen Werkstoffen, nicht auf das Gesamtprodukt. Quelle: EU-Richtlinie 2011/65/EU

Kabelbaum-Komponenten: Wo stecken die Risiken?

Ein Kabelbaum besteht aus Dutzenden verschiedenen Materialien. Die Compliance-Herausforderung liegt darin, jede einzelne Komponente zu prüfen. Hier ist unsere komponentenspezifische Risikoanalyse, basierend auf tausenden Materialdatenblättern, die wir bei wiringgerman.com ausgewertet haben.

Hohes Risiko

Leitungen & Kabel

Problematische Stoffe

  • • PVC-Isolierung: Blei-Stabilisatoren (traditionell 1-3 %)
  • • PVC-Weichmacher: DEHP, DBP, BBP (bis zu 40 % Massenanteil)
  • • Kupferleiter: Blei-Legierungsanteile (gering, meist konform)
  • • Verzinnung: Cadmium in älteren Prozessen

Konforme Alternativen

  • • Ca/Zn-Stabilisatoren statt Blei in PVC
  • • Nicht-Phthalat-Weichmacher (DINCH, DOTP)
  • • PVC-freie Isolierungen: PE, PP, TPE, XLPE
  • • Halogenfreie Kabel (LSZH/HFFR)
Mittleres-Hohes Risiko

Steckverbinder & Kontakte

Problematische Stoffe

  • • Messing-Kontakte: Bis zu 4 % Blei (Exemption 6(c)!)
  • • Zinkdruckguss-Gehäuse: Blei als Verunreinigung
  • • Galvanik: Hexavalentes Chrom in Passivierungen
  • • Kunststoff-Gehäuse: Bromierte Flammschutzmittel

Konforme Alternativen

  • • Bleifreie Messinglegierungen (CuZn39Pb0,5)
  • • Cr(III)-Passivierungen statt Cr(VI)
  • • Phosphor-basierte Flammschutzmittel
  • • Berylliumfreie Kupferlegierungen
Mittleres Risiko

Lötstellen

Problematische Stoffe

  • • Traditionelles Sn63/Pb37-Lot enthält 37 % Blei
  • • Einige Spezial-Exemptions für Server/Telecom
  • • Flussmittelrückstände mit problematischen Chemikalien

Konforme Alternativen

  • • SAC305 (Sn96,5/Ag3,0/Cu0,5) -- Standardlot bleifrei
  • • Sn/Cu-Lote für Wellenlöten
  • • No-Clean-Flussmittel (halogenidarm)
Niedriges-Mittleres Risiko

Schrumpfschläuche & Tüllen

PVC-Schrumpfschläuche können Blei-Stabilisatoren enthalten. Polyolefin-basierte Schrumpfschläuche sind in der Regel konform. Achten Sie auf die Materialdeklaration des Herstellers -- besonders bei farbigen Varianten, die zusätzliche Pigmente mit Cadmium oder Blei enthalten können.

Niedriges Risiko

Kabelbinder, Klebeband & Befestigungen

Kabelbinder aus Polyamid (PA66) und Klebebänder sind in der Regel unproblematisch. Prüfen Sie jedoch bei schwarzen Kabelbindern die Flammschutzmittel und bei Metallbefestigungen die Oberflächenbehandlung (Cr6+ in Passivierung). Edelstahl-Kabelbinder sind grundsätzlich konform.

Materialprüfung bei Kabelbäumen auf RoHS-Konformität

Materialprüfung und RoHS-Konformitätskontrolle in unserem Prüflabor

HZ

Praxis-Erfahrung aus 15 Jahren

Hommer Zhao -- Geschäftsführer wiringgerman.com

“Der häufigste Fehler, den ich bei europäischen Einkäufern sehe: Sie akzeptieren eine pauschale RoHS-Erklärung auf Unternehmensebene und prüfen nicht auf Komponentenebene. RoHS-Konformität muss für jeden homogenen Werkstoff nachgewiesen werden -- nicht für das Gesamtprodukt.”

“Bei wiringgerman.com fordern wir von jedem Materiallieferanten eine IPC-1752A-Deklaration an und prüfen kritische Chargen per RFA-Analyse (Röntgenfluoreszenz). So stellen wir sicher, dass unsere Kabelbäume zu 100 % konform sind -- nicht nur auf dem Papier, sondern in der Realität.”

ACHTUNG: Exemption 6(c) läuft am 21. Juli 2026 aus

Kritische Deadline: 21. Juli 2026

Die RoHS-Ausnahme 6(c) erlaubt derzeit Kupferlegierungen mit bis zu 4 % Blei in Steckverbindern und Kontakten. Diese Ausnahme war jahrelang die Grundlage für die Verwendung von Standard-Messingkontakten in Kabelbäumen. Am 21. Juli 2026 läuft diese Ausnahme aus, sofern keine Verlängerung gewährt wird.

Was bedeutet das konkret?

  • Alle Steckverbinder mit Messing-Kontakten (CuZn39Pb3, CuZn37Pb2) können betroffen sein
  • Betrifft Millionen von Steckverbindern namhafter Hersteller (TE, Molex, JST, Amphenol...)
  • Bleifreie Alternativen existieren, aber nicht für alle Anwendungen validiert
  • Lagerbestände mit nicht-konformen Kontakten müssen vor der Deadline verarbeitet werden

Sofortige Handlungsempfehlungen für Einkäufer

Inventur aller Steckverbinder mit bleihaltigen Kontakten
Anfrage bei Lieferanten nach bleifreien Alternativen
Validierung bleifreier Kontakte in Ihren Anwendungen
Übergangsplan mit Zeitpuffer erstellen (Deadline: Juli 2026)
Alternative Kontaktmaterialien qualifizieren (z.B. CuSn, CuNiSi)
Lagerbestand an konformen Kontakten aufbauen

Status-Update: Die EU-Kommission prüft aktuell den Verlängerungsantrag für Exemption 6(c). Eine Entscheidung wird für Q2 2026 erwartet. Selbst wenn eine Verlängerung gewährt wird, wird der zulässige Bleigehalt wahrscheinlich auf 0,5-1 % gesenkt. Verfolgen Sie den aktuellen Stand auf der ECHA-Website .

PFAS-Beschränkung: Die nächste Herausforderung

Während sich die Branche auf die Exemption-6(c)-Deadline konzentriert, braut sich im Hintergrund ein noch größerer regulatorischer Sturm zusammen: die geplante EU-weite PFAS-Beschränkung. PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) umfasst über 10.000 Stoffe und betrifft direkt die Hochleistungskabel-Branche.

Betroffene Kabel-Materialien

PTFE (Teflon)

Hochtemperatur-Isolierung bis 260 C

Direkt betroffen

FEP

Dünne Isolierungen, Datenkabel

Direkt betroffen

ETFE (Tefzel)

Luft-/Raumfahrt-Kabel

Direkt betroffen

Zeitplan und Auswirkungen

  • Januar 2023: ECHA erhielt den Beschränkungsvorschlag von 5 EU-Staaten
  • 2024-2025: Öffentliche Konsultation mit 5.600+ Einreichungen
  • Ende 2026: ECHA-Stellungnahme und EU-Kommissionsentscheidung erwartet
  • 2027-2030: Gestaffeltes Inkrafttreten mit möglichen Übergangsfristen

Betroffene Branchen: Automotive (Motorraum-Kabel), Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Halbleiterindustrie und alle Anwendungen, die Hochtemperatur-Materialien erfordern. Wenn Ihre Kabelbäume PTFE-, FEP- oder ETFE-Kabel verwenden, sollten Sie jetzt Alternativen evaluieren.

HZ

Meine Einschätzung zur PFAS-Regulierung

Hommer Zhao -- Geschäftsführer wiringgerman.com

“Die PFAS-Beschränkung wird die Kabelbranche stärker verändern als RoHS es 2006 getan hat. PTFE und FEP sind in Hochleistungsanwendungen praktisch ohne gleichwertige Alternative. Ich rechne mit langen Übergangsfristen für die Kabelbranche -- aber Unternehmen, die jetzt nicht mit der Evaluation beginnen, werden in 3-5 Jahren massive Probleme bekommen.”

“Wir arbeiten bei wiringgerman.com bereits an Qualifizierungsprogrammen für PFAS-freie Alternativen wie modifiziertes Silikon und Polyimid. Für viele Anwendungen unter 200 C gibt es bereits heute gute Lösungen. Für Temperaturen darüber ist die Situation deutlich schwieriger.”

7 Schritte zur vollständigen Compliance

Compliance ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Diese 7 Schritte bilden ein pragmatisches Framework, das wir bei wiringgerman.com selbst anwenden und unseren Kunden empfehlen.

1

Bestandsaufnahme: Alle Produkte auditieren

Erstellen Sie eine vollständige Liste aller Kabelbäume und deren Komponenten. Identifizieren Sie Materialien, Lieferanten und aktuelle Zertifizierungsstatus. Nutzen Sie eine BOM-Datenbank (Bill of Materials).

2

Kritische Komponenten identifizieren

Markieren Sie Komponenten mit hohem Risiko: PVC-Kabel, Messing-Kontakte, Lötstellen, beschichtete Teile. Priorisieren Sie nach Volumen und Risikopotenzial.

3

Materialdeklarationen anfordern (IPC-1752A)

Fordern Sie von jedem Lieferanten eine IPC-1752A-konforme Materialdeklaration an. Dieses Standardformat enthält alle relevanten Substanzdaten auf Ebene der homogenen Werkstoffe.

4

Lieferanten-Zertifikate verifizieren

Prüfen Sie RoHS-Konformitätserklärungen, REACH-SVHC-Deklarationen und Testberichte unabhängiger Labore. Eine einfache Selbsterklärung ohne Testdaten reicht nicht aus.

5

Technische Dokumentation aufbauen

Erstellen Sie eine lückenlose technische Dokumentation gemäß Anhang III der RoHS-Richtlinie. Diese muss 10 Jahre aufbewahrt werden und bei Marktaufsichtsbehörden auf Anforderung vorgelegt werden.

6

Exemption-6(c)-Ablauf vorbereiten

Identifizieren Sie alle Steckverbinder, die auf Exemption 6(c) angewiesen sind. Qualifizieren Sie bleifreie Alternativen und erstellen Sie einen Migrationsplan mit Zeitpuffer bis Juli 2026.

7

SVHC-Kandidatenliste kontinuierlich überwachen

Die ECHA aktualisiert die SVHC-Kandidatenliste zweimal jährlich (Januar und Juli). Richten Sie einen Monitoring-Prozess ein, der neue Einträge automatisch gegen Ihre Materialien prüft.

Lieferanten-Bewertung: 10-Punkte-Checkliste

Nutzen Sie diese Checkliste bei der Bewertung bestehender und neuer Kabelbaum-Lieferanten. Ein Lieferant sollte mindestens 8 von 10 Punkten erfüllen, um als compliance-sicher zu gelten.

01.Aktuelle RoHS-Konformitätserklärung für jedes Produkt (nicht nur Unternehmensebene)
02.REACH-SVHC-Deklaration mit Bezug auf die aktuelle Kandidatenliste (inkl. Datum)
03.IPC-1752A-Materialdeklarationen für alle Komponenten verfügbar
04.Regelmäßige RFA-/XRF-Analysen (Röntgenfluoreszenz) durch unabhängiges Labor
05.Dokumentierter Prozess zur Überwachung der SVHC-Kandidatenliste
06.Konfliktmineralien-Erklärung (CMRT) gemäß EU-Verordnung 2017/821
07.SCIP-Datenbank-Einträge für Erzeugnisse mit SVHC > 0,1 %
08.Proaktive Kommunikation bei Materialänderungen (PCN-Prozess)
09.Plan für Exemption-6(c)-Ablauf (bleifreie Kontakt-Alternativen)
10.ISO 9001 oder IATF 16949 Zertifizierung als Qualitätsbasis

wiringgerman.com erfüllt alle 10 Punkte. Wir stellen unseren Kunden auf Anfrage alle Compliance-Dokumente bereit. Besuchen Sie unsere Zertifikate-Seite für weitere Details.

Häufige Compliance-Fehler -- und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1: Pauschale "RoHS-konform"-Erklärung akzeptieren

Problem: Eine Unternehmens-Erklärung sagt nichts über einzelne Produkte aus. RoHS-Konformität muss pro Produkt und pro homogenem Werkstoff nachgewiesen werden.

Lösung: Fordern Sie produktspezifische Konformitätserklärungen mit Bezug auf die konkrete Typenbezeichnung und Materialdeklarationen an.

Fehler 2: REACH ignorieren, weil "wir nur RoHS brauchen"

Problem: REACH und RoHS sind unabhängige Regelwerke. RoHS-Konformität bedeutet nicht REACH-Konformität. REACH erfordert zusätzlich die Prüfung gegen 253+ SVHC.

Lösung: Fordern Sie sowohl RoHS- als auch REACH-SVHC-Deklarationen an. Beide müssen aktuell sein (SVHC-Liste wird halbjährlich aktualisiert).

Fehler 3: Exemption-Ablaufdaten nicht verfolgen

Problem: RoHS-Ausnahmen haben begrenzte Laufzeiten. Wenn eine Ausnahme ausläuft (wie 6(c) im Juli 2026), werden zuvor konforme Produkte plötzlich nicht-konform.

Lösung: Führen Sie ein Exemption-Register mit allen genutzten Ausnahmen, deren Ablaufdaten und geplanten Alternativmaßnahmen.

Fehler 4: Keine Materialdeklarationen archivieren

Problem: Die technische Dokumentation muss 10 Jahre aufbewahrt werden. Bei Marktüberwachungsmaßnahmen müssen Sie den Compliance-Nachweis vorlegen können.

Lösung: Implementieren Sie ein digitales Archiv für alle Materialdeklarationen, Testberichte und Konformitätserklärungen mit Versionierung.

Fehler 5: Nicht aktualisieren nach SVHC-Listenänderungen

Problem: Die Kandidatenliste wird im Januar und Juli erweitert. Ein Produkt, das gestern konform war, kann nach dem nächsten Update SVHC-pflichtig sein.

Lösung: Richten Sie einen halbjährlichen Review-Prozess ein. Vergleichen Sie neue SVHC-Einträge systematisch mit Ihrer Materialdatenbank.

Fehler 6: Chinesische Lieferanten nicht auditieren

Problem: Einige Lieferanten stellen Compliance-Dokumente aus, ohne die Materialien tatsächlich getestet zu haben. "Papier-Compliance" ist besonders bei asiatischen Lieferanten ein Risiko.

Lösung: Führen Sie stichprobenartige RFA-Analysen bei eingehenden Lieferungen durch und fordern Sie Testberichte von akkreditierten Drittlaboren an.

HZ

Compliance als Wettbewerbsvorteil

Hommer Zhao -- Geschäftsführer wiringgerman.com

“Compliance kostet Geld -- keine Frage. Aber Non-Compliance kostet zehnmal mehr. Ich habe Fälle erlebt, in denen eine einzige nicht-konforme Charge am Zoll beschlagnahmt wurde und den Kunden 200.000 EUR an Produktionsausfall gekostet hat. Die Dokumentationsarbeit erscheint aufwendig, bis man sie mit den Kosten eines Rückrufs vergleicht.”

Mein Rat an Einkäufer:

  • Arbeiten Sie mit Lieferanten, die Compliance als Kernkompetenz verstehen, nicht als Pflichtübung
  • Investieren Sie in eigene RFA-Analyse-Kapazität oder einen festen Labor-Partner
  • Verankern Sie Compliance-Anforderungen in Ihren Einkaufsbedingungen und Lieferantenverträgen

Bei wiringgerman.com ist Compliance keine Abteilung, sondern Teil unserer DNA. Kontaktieren Sie uns -- wir beraten Sie gerne zu den Anforderungen für Ihr Projekt.

Pflichtdokumente im Vergleich

DokumentRoHSREACHAufbewahrung
EU-KonformitätserklärungPflicht--10 Jahre
Technische DokumentationPflicht--10 Jahre
Materialdeklaration (IPC-1752A)EmpfohlenEmpfohlenProduktlebensdauer
SVHC-Kommunikation (Art. 33)--Pflicht bei > 0,1 %Fortlaufend
SCIP-Datenbankmeldung--Pflicht bei > 0,1 %Fortlaufend
Testberichte (XRF/ICP)EmpfohlenBei Bedarf10 Jahre
LieferantenbestätigungPflichtPflichtLieferbeziehung + 10 J.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Müssen Kabelbäume eine eigene RoHS-Konformitätserklärung haben?

Ja, wenn der Kabelbaum als eigenständiges Erzeugnis (nicht als Komponente eines Geräts) in Verkehr gebracht wird. Wenn er als Komponente in ein Endgerät eingebaut wird, liegt die Verantwortung beim Hersteller des Endgeräts -- dieser muss jedoch vom Kabelbaum-Lieferanten die entsprechenden Nachweise einfordern. In der Praxis fordern die meisten Kunden eine produktspezifische RoHS-Erklärung.

Was passiert, wenn Exemption 6(c) nicht verlängert wird?

Alle Steckverbinder mit Kupferlegierungen, die mehr als 0,1 % Blei enthalten, wären ab dem 22. Juli 2026 nicht mehr RoHS-konform. Hersteller müssten auf bleifreie Legierungen (z.B. CuZn42, CuSn6, CuNiSi) umstellen. Dies betrifft vor allem Messing-Kontakte mit CuZn39Pb3 oder CuZn37Pb2. Die Umstellung erfordert Neuvalidierung aller betroffenen Steckverbinder.

Wie oft wird die REACH-SVHC-Kandidatenliste aktualisiert?

Die ECHA aktualisiert die Kandidatenliste in der Regel zweimal jährlich, im Januar und Juli. Stand Februar 2026 umfasst die Liste 253 Stoffe. Jeder neue Eintrag kann die Compliance-Situation Ihrer Produkte verändern. Deshalb ist ein systematischer Monitoring-Prozess unerlässlich.

Reicht eine RoHS-Erklärung vom Lieferanten als Nachweis?

Eine Lieferantenerklärung ist ein Baustein, aber kein ausreichender Alleinnachweis. Die RoHS-Richtlinie fordert eine "technische Dokumentation", die den Compliance-Nachweis auf Stoffebene enthält. Das können Materialdeklarationen (IPC-1752A), Testergebnisse (XRF, ICP-OES) und Konformitätserklärungen der Sublieferanten sein. Als Inverkehrbringer tragen Sie die volle Verantwortung.

Sind halogenfreie Kabel automatisch RoHS-konform?

Nein. "Halogenfrei" bedeutet, dass das Kabel keine Chlor-, Brom- oder Fluor-Verbindungen enthält. RoHS beschränkt jedoch auch Blei, Cadmium, Quecksilber und Phthalate. Ein halogenfreies Kabel kann trotzdem bleihaltige Leiterlegierungen oder cadmiumhaltige Farbpigmente enthalten. Beide Eigenschaften müssen separat geprüft werden.

Was kostet ein RoHS/REACH-Compliance-Programm?

Die Kosten variieren stark je nach Produktkomplexität. Für einen typischen Kabelbaum-Hersteller: XRF-Analyse pro Probe ca. 50-150 EUR, ICP-OES-Analyse ca. 200-500 EUR, jährliches Monitoring-Programm ca. 5.000-15.000 EUR. Im Vergleich dazu: Ein Rückruf oder Zollbeschlagnahme kann schnell 100.000+ EUR kosten.

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HZ

Über den Autor

Hommer Zhao ist Gründer und Geschäftsführer von wiringgerman.com mit über 15 Jahren Erfahrung in der Kabelkonfektion. Er berät Unternehmen im DACH-Raum zu RoHS/REACH-Compliance, Materialauswahl und Qualitätsanforderungen für Kabelbäume.

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