IP67 vs IP68 Kabelbaum Wasserdichtigkeit Vergleich
VergleichSchutzarten

IP67 vs IP68 Kabelbäume:
Der ultimative Vergleich 2026

Wasserdicht ist nicht gleich wasserdicht. Erfahren Sie, welche IP-Schutzart Ihr Kabelbaum wirklich braucht – und wo Sie Geld sparen können, ohne Qualität einzubüßen.

10. Januar 2026
Hommer Zhao
10 Min. Lesezeit

„Machen Sie den Kabelbaum einfach wasserdicht" – diesen Satz höre ich mindestens dreimal pro Woche. Klingt einfach, oder? Das Problem: „Wasserdicht" kann alles bedeuten – von „hält einen Regenschauer aus" bis „funktioniert in 10 Metern Wassertiefe".

Genau deshalb gibt es die IP-Schutzarten. Und genau deshalb führt die Verwirrung zwischen IP67 und IP68 zu den teuersten Fehlern in der Kabelbaum-Beschaffung. Ich habe Projekte gesehen, die 40% zu viel zahlten – und andere, die wegen falscher Spezifikation komplett neu starten mussten.

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Was bedeutet IP-Schutzart?

IP steht für „International Protection" (oder „Ingress Protection") und beschreibt den Schutzgrad eines Gehäuses gegen das Eindringen von Fremdkörpern und Wasser. Die zweistellige Zahl nach dem IP gibt zwei verschiedene Schutzarten an:

6X

Erste Ziffer: Staubschutz

Skala von 0-6. Die „6" bedeutet vollständiger Schutz gegen Staub – der höchstmögliche Wert.

X7/8

Zweite Ziffer: Wasserschutz

Skala von 0-9K. Die „7" und „8" beschreiben unterschiedliche Grade des Untertauchens.

Wichtig zu verstehen:

Die zweite Ziffer baut nicht aufeinander auf! IP68 schützt NICHT automatisch gegen alles, wogegen IP67 schützt. IP68 testet nur dauerhaftes Untertauchen, nicht das temporäre Eintauchen von IP67. Für vollen Schutz brauchen Sie manchmal beide Tests.

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IP67 im Detail erklärt

IP67 Spezifikation

Zeitlich begrenztes Eintauchen

Testbedingungen nach IEC 60529:

  • Eintauchtiefe: 1 Meter unter der Wasseroberfläche
  • Eintauchdauer: 30 Minuten
  • Wassertemperatur: 15-35°C
  • Ergebnis: Kein schädliches Eindringen von Wasser

Typische Anwendungen für IP67:

Outdoor-Beleuchtung
Gartengeräte & Bewässerung
Industriesensoren (Spritzwasser)
Fahrzeug-Unterbodenkomponenten
Wetterstationen
Poolpumpen-Steuerungen
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IP68 im Detail erklärt

IP68 Spezifikation

Dauerhaftes Untertauchen

Testbedingungen nach IEC 60529:

  • Eintauchtiefe: Vom Hersteller spezifiziert (typisch 1,5-3m)
  • Eintauchdauer: Dauerbetrieb möglich
  • Druckbeständigkeit: Höher als bei IP67 (tiefenabhängig)
  • Wichtig: Tiefe & Dauer MUSS vom Hersteller angegeben werden

Typische Anwendungen für IP68:

Unterwasser-Kameras & Drohnen
Tauchausrüstung
Unterwasser-Beleuchtung
Marine & Schifffahrt
Abwasserbehandlung
Brunnenpumpen & Tiefsee-Sensoren
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IP67 vs IP68: Direkter Vergleich

KriteriumIP67IP68
StaubschutzVollständig (6)Vollständig (6)
Eintauchtiefe1 Meter>1 Meter (nach Angabe)
Eintauchdauer30 MinutenDauerbetrieb möglich
Druckbeständigkeit~0,1 bar (1m)bis ~3 bar (30m)
Kosten-AufpreisBasis+25-50%
Komplexität FertigungMittelHoch
Steckverbinder-AuswahlGroßEingeschränkt
LieferzeitStandard+1-2 Wochen

IP67 ist ausreichend wenn:

  • • Eintauchen nur kurzzeitig möglich
  • • Tiefe unter 1 Meter bleibt
  • • Hauptgefahr ist Spritzwasser
  • • Budget eine Rolle spielt
  • • Schnelle Verfügbarkeit wichtig ist

IP68 ist nötig wenn:

  • • Dauerhaftes Untertauchen erfolgt
  • • Tiefe über 1 Meter erreicht wird
  • • Wasserdruck ein Faktor ist
  • • Sicherheitskritische Anwendung
  • • Marine/Unterwasser-Einsatz
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Anwendungsbereiche nach Branche

Automobilindustrie

IP67

Motorraum-Sensoren, Unterbodenverkabelung, Scheinwerfer

IP68

Wattiefe-Sensoren, E-Auto Batterie-Anschlüsse

Empfehlung: IP67 für 90% der Anwendungen, IP68 nur für spezielle EV-Komponenten

Medizintechnik

IP67

Reinigbare Geräte, OP-Beleuchtung

IP68

Sterilisierbare Instrumente, Endoskope

Empfehlung: IP68 für alles, was in Autoklaven sterilisiert wird

Industrieautomation

IP67

Sensoren, Aktoren, Steuerungen in feuchter Umgebung

IP68

Unterwasser-Robotik, Abwasseranlagen

Empfehlung: IP67 Standard, IP68 nur bei direktem Wasserkontakt

Consumer Electronics

IP67

Outdoor-Lautsprecher, Smartphones

IP68

Tauchcomputer, Unterwasserkameras

Empfehlung: IP67 für Alltagstauglichkeit, IP68 für spezielle Wassersport-Geräte

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Kostenvergleich: Lohnt sich IP68?

Die Frage nach IP67 oder IP68 ist letztendlich auch eine Kostenfrage. Hier eine realistische Aufschlüsselung der Mehrkosten:

KostenfaktorIP67IP68Mehrkosten
Steckverbinder (pro Stück)€3-8€5-15+40-80%
Dichtungen & VergussStandardPremium+20-35%
Prüfkosten pro Los€200-400€350-700+75%
FertigungszeitStandard+15-25%Indirekte Kosten
Gesamt-AufpreisBasis+25-50%

Praxis-Beispiel: 1.000 Kabelbäume

IP67 Variante

€45.000

Stückpreis: €45

IP68 Variante

€63.000

Stückpreis: €63 (+40%)

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Auswahlkriterien: Der Entscheidungsbaum

Beantworten Sie diese fünf Fragen, um die richtige Schutzart zu finden:

1. Wird das Produkt jemals komplett in Wasser eingetaucht?

IP67Nur versehentlich oder kurzzeitig
IP68Ja, regelmäßig oder dauerhaft

2. Wie tief ist die maximale Eintauchtiefe?

IP67Unter 1 Meter
IP68Über 1 Meter

3. Wie lange dauert das Eintauchen maximal?

IP67Unter 30 Minuten
IP68Über 30 Minuten oder dauerhaft

4. Ist Druckbeständigkeit (Tiefe) ein Faktor?

IP67Nein
IP68Ja

5. Was passiert bei Wassereintritt?

IP67Reparierbar, kein Sicherheitsrisiko
IP68Sicherheitsrisiko oder Totalschaden

Die 80/20-Regel:

In unserer Erfahrung benötigen 80% aller Projekte maximal IP67. Wenn Sie sich unsicher sind, starten Sie mit IP67 – ein späterer Upgrade ist meist einfacher als ein Downgrade nach Überspezifikation.

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Häufige Fehler vermeiden

Fehler: IP68 pauschal spezifizieren

Folge: +40% Mehrkosten ohne Nutzen

Lösung: Reale Einsatzbedingungen analysieren, nicht Worst-Case annehmen

Fehler: IP68 bedeutet automatisch besser

Folge: Falsche Erwartungen, IP68 schützt nicht vor Strahlwasser!

Lösung: IPX5/IPX6 für Hochdruckreiniger, IP68 nur für Untertauchen

Fehler: Herstellerangaben nicht prüfen

Folge: IP68 @ 1,5m ≠ IP68 @ 10m

Lösung: Immer Tiefe und Dauer vom Hersteller erfragen

Fehler: Steckverbindungen vergessen

Folge: Ein undichter Stecker macht alles zunichte

Lösung: Gesamtsystem betrachten, nicht nur Kabel

Fehler: Temperaturwechsel ignorieren

Folge: Kondensation im Inneren trotz IP68

Lösung: Druckausgleichsventile oder Trockenmittel einplanen

HZ

Hommer Zhao

Geschäftsführer & Gründer, Wiringo

Meine persönliche Einschätzung:

„In 15 Jahren Kabelkonfektion habe ich einen klaren Trend beobachtet: Deutsche Ingenieure neigen zur Überspezifikation. Das ist verständlich – niemand will für einen Ausfall verantwortlich sein. Aber IP68 ‚zur Sicherheit' zu spezifizieren ist wie ein Geländewagen für den Stadtverkehr.

Mein Rat: Definieren Sie Ihre echten Anforderungen. Wo genau wird das Produkt eingesetzt? Was ist das realistische Worst-Case-Szenario? Sprechen Sie mit uns – oft finden wir eine IP67-Lösung mit gezielten IP68-Elementen nur an den kritischen Stellen. Das spart 30% Kosten bei gleicher Sicherheit.

Die beste Schutzart ist nicht die höchste – sondern die richtige.

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Fazit & Handlungsempfehlung

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • IP67 und IP68 sind nicht linear – IP68 ersetzt nicht alle Tests von IP67
  • IP67 reicht für 80% aller industriellen Anwendungen völlig aus
  • IP68 kostet 25-50% mehr und sollte nur bei echtem Bedarf spezifiziert werden
  • Die genaue Tiefe und Dauer bei IP68 muss vom Hersteller dokumentiert sein
  • Das schwächste Glied bestimmt die Gesamtschutzart – auch Stecker prüfen!

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HZ

Über den Autor

Hommer Zhao – Geschäftsführer, Wiringo

Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Kabelkonfektion berät Hommer Zhao Unternehmen bei der Auswahl der richtigen Schutzarten und Materialien. Er ist bekannt für seine praxisnahen Lösungen, die Qualität und Wirtschaftlichkeit vereinen.

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