Globale Lieferkette in der Kabelkonfektion
VergleichInsider-Wissen

China vs Europa
Der ehrliche Vergleich 2026

„In China ist alles billiger" – stimmt das noch? Ein Brancheninsider rechnet vor, was Kabelkonfektion aus China wirklich kostet und wann Europa die bessere Wahl ist.

14. Januar 2026
Hommer Zhao
12 Min. Lesezeit

Über den Autor dieses Artikels:

Ich (Hommer Zhao) betreibe Produktionsstätten sowohl in China als auch mit europäischen Partnern. Dieser Artikel basiert auf 15 Jahren Erfahrung auf beiden Seiten – kein Marketing, sondern echte Zahlen aus der Praxis.

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Die Ausgangslage 2026

Die Zeiten, in denen China automatisch „billig" bedeutete, sind vorbei. Löhne in chinesischen Küstenstädten haben sich in 10 Jahren verdreifacht. Gleichzeitig haben Lieferkettenprobleme, neue Zölle und steigende Logistikkosten das Bild verändert.

China 2026

  • • Durchschnittslohn Facharbeiter: ~€600/Monat
  • • Stromkosten: Gestiegen, regional unterschiedlich
  • • Qualitätsniveau: Stark verbessert (Top-Tier)
  • • Automatisierungsgrad: Hoch
  • • Lieferzeit nach Europa: 6-8 Wochen (See)

Europa 2026

  • • Durchschnittslohn Facharbeiter: €2.500-4.000/Monat
  • • Stromkosten: Hoch, stabil
  • • Qualitätsniveau: Sehr hoch, dokumentiert
  • • Automatisierungsgrad: Mittel bis hoch
  • • Lieferzeit innerhalb EU: 1-3 Wochen

Die wichtigste Erkenntnis:

Die Lohnkostendifferenz allein rechtfertigt China nicht mehr. Erst wenn alle Faktoren – Material, Logistik, Qualität, Risiko – eingerechnet werden, ergibt sich das wahre Bild. Und das ist oft überraschend.

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Der wahre Kostenvergleich

Viele Unternehmen vergleichen nur den Stückpreis – und erleben böse Überraschungen. Hier eine realistische Kalkulation für einen typischen Kabelbaum (mittelkomplex, 1.000 Stück):

KostenfaktorChinaEuropa
Stückpreis (FOB)€12,00€18,00
Seefracht pro Stück€1,50€0,30
Zoll (3,7% Elektronik)€0,50€0
Qualitätssicherung€0,80€0,20
Kommunikation/Reisen€0,60€0,10
Kapitalbindung (8 Wo.)€0,40€0,08
Risiko-Aufschlag (5%)€0,75€0,18
Total Cost of Ownership€16,55€18,86
Realer Vorteil China~12% (nicht 33% wie Stückpreis suggeriert)

Nicht eingerechnet:

  • • Zeitverlust bei Qualitätsproblemen (Nachproduktion = +8 Wochen)
  • • Währungsschwankungen EUR/USD/CNY
  • • Produktionsstillstand bei Lieferverzug
  • • CO2-Fußabdruck (falls relevant für Kunden)
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Qualitätsunterschiede: Die Wahrheit

Lassen Sie mich mit einem Mythos aufräumen: Chinesische Qualität ist nicht per se schlecht. Tatsächlich werden die meisten iPhones, Tesla-Komponenten und Premium-Elektronik in China gefertigt – auf höchstem Niveau.

Top-Tier China (Tier 1)

  • IATF 16949 / ISO 13485 zertifiziert
  • Westliche Qualitätsstandards
  • Vollständige Rückverfolgbarkeit
  • AQL 0,65 oder besser

Preis: Nur 20-30% unter Europa

Low-Cost China (Tier 3)

  • Oft keine echte Zertifizierung
  • Materialsubstitution möglich
  • Keine Rückverfolgbarkeit
  • AQL 4,0 oder schlechter

Preis: 50-60% unter Europa – aber hohes Risiko

Die entscheidende Frage:

Wollen Sie 50% sparen und 10% Ausschuss riskieren? Oder 25% sparen bei gleicher Qualität wie Europa? Die Antwort bestimmt, welchen Lieferanten Sie wählen sollten.

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Lieferzeiten & Logistik

PhaseChinaEuropa
Angebot & Klärung3-7 Tage1-3 Tage
Muster3-4 Wochen1-2 Wochen
Serienproduktion2-3 Wochen2-3 Wochen
Transport4-6 Wochen (See)3-5 Tage
Zoll & Abwicklung3-7 Tage0 Tage
Gesamt (typisch)10-14 Wochen3-5 Wochen

Express-Option China:

Luftfracht reduziert Transport auf 5-7 Tage – kostet aber €8-15/kg. Bei typischen Kabelbäumen (200g/Stück) sind das €1,60-3,00 extra. Oft wird die Ersparnis damit aufgefressen.

Express-Option Europa:

Bei echtem Eilbedarf: Produktion in 5-7 Tagen möglich, Transport über Nacht. Aufpreis ca. 20-30% – aber Sie haben die Ware in 2 Wochen statt 12.

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Kommunikation & Service

Das unterschätzte Problem: Die Zeitverschiebung und Sprachbarriere kosten mehr Zeit als die meisten kalkulieren.

Typischer Tag mit China-Lieferant:

  • • 07:00 E-Mail geschrieben
  • • 16:00 Antwort erhalten (unvollständig)
  • • 16:30 Rückfrage gesendet
  • • Nächster Tag 08:00 Antwort
  • → 1 Frage = 2 Tage

Typischer Tag mit EU-Lieferant:

  • • 09:00 E-Mail geschrieben
  • • 10:30 Antwort erhalten
  • • 10:45 Telefonat zur Klärung
  • • 11:00 Thema erledigt
  • → 1 Frage = 2 Stunden

Das „Lost in Translation" Problem:

Selbst mit gutem Englisch gehen Nuancen verloren. „Die Kabel sollen fest sitzen" kann bedeuten: leicht ziehbar für Service, oder: bombenfest für Vibration. Solche Missverständnisse führen zu teuren Nacharbeiten.

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Versteckte Risiken

IP-Schutz / Produktpiraterie

CHINA

Ihre Zeichnungen könnten kopiert werden. Patentschutz schwer durchsetzbar.

EUROPA

Rechtssicherheit, NDA durchsetzbar, Vertragspartner identifizierbar.

Lieferkettenunterbrechung

CHINA

COVID, Hafenschließungen, politische Spannungen – alles erlebt.

EUROPA

Kürzere Wege, alternative Routen, keine geopolitischen Risiken.

Materialsubstitution

CHINA

Ohne Vor-Ort-Kontrolle schwer erkennbar. „Equivalent" ist nicht gleich.

EUROPA

Transparenz, bekannte Lieferanten, einfach auditierbar.

Compliance (REACH, RoHS)

CHINA

Zertifikate manchmal gefälscht. Haftung bleibt beim Importeur.

EUROPA

Zertifikate verifizierbar, Haftung beim Hersteller.

Währungsrisiko

CHINA

EUR/USD/CNY-Schwankungen können Kalkulation zunichte machen.

EUROPA

Kein Währungsrisiko innerhalb Eurozone.

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Wann China die richtige Wahl ist

China macht Sinn wenn:

  • 1
    Hohe Stückzahlen (>10.000/Jahr) – Skaleneffekte wirken
  • 2
    Stabile Designs – wenig Änderungen, lange Produktzyklen
  • 3
    Lange Vorlaufzeit OK – keine eiligen Nachbestellungen
  • 4
    Einfache Produkte – wenig Interpretationsspielraum
  • 5
    Eigene QS-Ressourcen – Sie können vor Ort prüfen
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Wann Europa die bessere Wahl ist

Europa macht Sinn wenn:

  • 1
    Kleine/mittlere Stückzahlen (<5.000/Jahr) – Nebenkosten zu hoch
  • 2
    Häufige Änderungen – schnelle Anpassungen nötig
  • 3
    Kurze Lieferzeiten – JIT, Kanban, schnelle Nachbestellung
  • 4
    Komplexe Produkte – viel Abstimmung nötig
  • 5
    Regulierte Branchen – Medizin, Automotive Tier 1, Luftfahrt
  • 6
    IP-sensible Produkte – Innovationen, die kopiert werden könnten
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Das Hybridmodell: Best of Both Worlds

Viele unserer Kunden fahren inzwischen eine Dual-Sourcing-Strategie:

So funktioniert's:

Aus China:
  • • Standard-Kabelbäume in hoher Stückzahl
  • • Produkte mit stabilem Design
  • • Planbare Jahresbedarfe
  • • Unkritische Anwendungen
Aus Europa:
  • • Prototypen und Muster
  • • Eilbedarfe und Notfälle
  • • Sicherheitskritische Teile
  • • Neue Produkteinführungen

Der Vorteil: Sie haben immer einen Plan B und können flexibel reagieren.

HZ

Hommer Zhao

Geschäftsführer & Gründer, Wiringo

Meine persönliche Einschätzung:

„Ich sage meinen Kunden immer: China ist eine Strategie, kein Schnäppchen. Wer nur auf den Stückpreis schaut, wird früher oder später bitter enttäuscht.

Die besten Ergebnisse sehe ich bei Unternehmen, die ihre High-Runner nach China verlagern (mit ordentlichem Setup und Qualitätskontrolle) und gleichzeitig einen europäischen Partner für Flexibilität und Notfälle behalten.

Und ja – als jemand mit chinesischen Wurzeln und europäischer Firma sage ich das: Für viele deutsche Mittelständler ist ein europäischer Partner die bessere Wahl. Die versteckten Kosten von China fressen oft die Ersparnis auf.

Die Frage ist nicht „China oder Europa?" – sondern „Was ist für MEIN Produkt optimal?"

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Fazit: Die Entscheidungshilfe

Schnell-Check: 5 Fragen für Ihre Entscheidung

  1. 1Jahresbedarf > 10.000 Stück? → China prüfen
  2. 2Brauchen Sie Teile in < 4 Wochen? → Europa wählen
  3. 3Ändern Sie das Design häufig? → Europa wählen
  4. 4Können Sie Qualität vor Ort prüfen? → China möglich
  5. 5Ist IP-Schutz wichtig? → Europa bevorzugen

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HZ

Über den Autor

Hommer Zhao – Geschäftsführer, Wiringo

Mit chinesischen Wurzeln und europäischer Geschäftserfahrung kennt Hommer Zhao beide Welten aus erster Hand. Seine Expertise hilft Kunden, die richtige Sourcing-Entscheidung zu treffen – ohne ideologische Vorurteile.

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