Kabelbaum-Montage in professioneller Fertigungshalle
ChecklistePraxis-Guide

Kabelbaum-Spezifikation erstellen:
Checkliste fuer die perfekte Bestellung

80 % aller Projektverzoegerungen entstehen durch unvollstaendige Spezifikationen. Mit dieser Checkliste erstellen Sie ein lueckenloses Lastenheft -- und sparen Zeit, Geld und Nerven bei Ihrer naechsten Kabelbaum-Bestellung.

Praxis-Wissen aus 15 Jahren Kabelbaumfertigung

Diese Checkliste basiert auf realen Projekterfahrungen aus ueber 2.000 Kabelbaum-Bestellungen. Wir zeigen Ihnen, welche Angaben wirklich zaehlen -- und welche Fehler in der Spezifikation die teuersten Konsequenzen haben. Alle Normenverweise beziehen sich auf den Stand 2026.

Was ist eine Kabelbaum-Spezifikation?

Eine Kabelbaum-Spezifikation (auch Lastenheft oder technische Anforderungsbeschreibung) ist das zentrale Dokument fuer jede professionelle Bestellung. Sie beschreibt alle technischen, mechanischen und qualitativen Anforderungen an den Kabelbaum -- von den elektrischen Parametern ueber die Steckverbinder bis hin zu Pruefanforderungen und Normen.

Ohne eine vollstaendige Spezifikation raet Ihr Lieferant -- und raet oft falsch. Das Ergebnis: Rueckfragen, Nacharbeit, Verzoegerungen und Mehrkosten. Eine saubere Spezifikation ist deshalb keine Buerokratie, sondern die guenstigste Versicherung gegen teure Fehler. Mehr dazu in unserem Artikel Top 12 Fehler bei der Kabelbaum-Bestellung.

KriteriumLastenheft (Kunde)Pflichtenheft (Lieferant)
ErstellerAuftraggeber / EntwicklungAuftragnehmer / Hersteller
Inhalt„Was soll erreicht werden?“„Wie wird es umgesetzt?“
DetailtiefeFunktionale AnforderungenTechnische Umsetzungsdetails
Norm-ReferenzDIN 69901 / VDI 2519DIN 69901 / VDI 2519
Beispiel„12V, 15A, -40 bis +85 C“„FLRY-B 2,5mm2, Molex Mini-Fit“
VerbindlichkeitVertragsgrundlageUmsetzungsvereinbarung

Praxis-Tipp

Erstellen Sie immer zuerst ein Lastenheft. Der Hersteller antwortet dann mit einem Pflichtenheft, in dem er die technische Umsetzung beschreibt. Erst wenn beide Dokumente abgestimmt sind, beginnt die Fertigung. Dieses Prinzip vermeidet die meisten Missverstaendnisse.

HZ

Hommer Zhao

Geschaeftsfuehrer & Gruender, Wiringo

Warum Spezifikationen so wichtig sind:

„In 15 Jahren Kabelbaumfertigung habe ich eines gelernt: Die Qualitaet einer Bestellung wird nicht in der Fertigung entschieden, sondern in der Spezifikation. Ein sauberes Lastenheft mit klaren Toleranzen, definierten Materialien und eindeutigen Pruefkriterien spart Ihnen Tausende Euro an Nacharbeit.“

„Ich sehe es jede Woche: Kunden senden eine Skizze auf einer Serviette und erwarten einen perfekten Kabelbaum. Das funktioniert nicht. Investieren Sie zwei Stunden in eine ordentliche Spezifikation -- und sparen Sie zwei Monate Projektverzug.“

80 % aller Reklamationen lassen sich auf unvollstaendige Spezifikationen zurueckfuehren.

Die 10 wichtigsten Angaben fuer Ihre Kabelbaum-Spezifikation

Diese zehn Punkte bilden das Rueckgrat jeder professionellen Kabelbaum-Spezifikation. Fehlt auch nur einer davon, entstehen Rueckfragen, Verzoegerungen oder -- schlimmer -- falsche Produkte. Arbeiten Sie diese Liste systematisch ab, bevor Sie Ihre Angebotsanfrage versenden.

1. Elektrische Anforderungen

Spannung, Strom, Isolationsklasse, EMV

Die elektrischen Parameter bestimmen die gesamte Materialauswahl. Definieren Sie fuer jede einzelne Leitung die Nennspannung (z. B. 12 V DC, 48 V DC oder 230 V AC), den maximalen Dauerstrom und den Spitzenstrom. Geben Sie die Isolationsklasse an (z. B. 600 V nach DIN VDE 0276) und ob EMV-Abschirmung erforderlich ist.

Checkliste Elektrik:

  • • Nennspannung und Spannungsklasse pro Leitung
  • • Maximaler Dauerstrom und Spitzenstrom (Dauer in ms)
  • • Isolationswiderstand und Durchschlagfestigkeit
  • • EMV-Anforderungen: Schirmung ja/nein, Schirmtyp, Schirmanbindung
  • • Signaltyp: Leistung, Signal, Daten (CAN, LIN, Ethernet)

2. Leitungsauswahl und Querschnitte

Leitertyp, AWG/mm2, Farben, Isoliermaterial

Geben Sie fuer jede Leitung den exakten Querschnitt an -- entweder in mm2 oder AWG (American Wire Gauge). Spezifizieren Sie den Leitertyp (Einzelader/Litze, Kupfer/CCA), das Isoliermaterial (PVC, XLPE, Silikon, PTFE) und die Adernfarben nach Farbcode. Bei Automotive-Anwendungen ist die Leitungsnorm ISO 6722 (FLRY-A/B) massgeblich.

Wichtig:

Verwechseln Sie nicht den Leiterquerschnitt mit dem Aussendurchmesser. Ein 1,5 mm2-Kabel mit PVC-Isolation hat einen anderen Aussendurchmesser als eines mit Silikon-Isolation. Fuer die Steckerwahl ist der Leiterquerschnitt entscheidend, fuer die Durchfuehrung der Aussendurchmesser.

3. Steckverbinder und Kontakte

Teilenummern, Terminals, Dichtungen, Verriegelung

Steckverbinder sind oft der teuerste und fehleranfaelligste Teil der Spezifikation. Geben Sie fuer jeden Stecker die exakte Hersteller-Teilenummer an -- fuer Gehaeuse, Kontakte (Terminals), Dichtungen und Sekundaerverriegelungen. Beschreiben Sie die Ansichtsrichtung (Stecker- oder Buchsenseite) und die Pinbelegung eindeutig. Mehr zum Thema Crimp vs. Loeten.

Checkliste Steckverbinder:

  • • Gehaeuse-Teilenummer (Hersteller + Typ)
  • • Kontakt-Teilenummer (maennlich/weiblich, Querschnittsbereich)
  • • Dichtungen und Blindstopfen (Teilenummer + Position)
  • • Pinbelegung mit Ansichtsrichtung und Farbzuordnung
  • • Kodierung und Verriegelungstyp
  • • Gegenstecker-Referenz (falls vorhanden)

4. Laengen und Toleranzen

Messpunkte, realistische Toleranzen, Referenzpunkte

Definieren Sie die Laenge jeder Leitung von Messpunkt zu Messpunkt. Ist die Laenge ab Steckerrueckseite gemessen? Ab Crimpstelle? Ab Ende der Ummantelung? Ohne klare Messpunktdefinition kann dieselbe Laengenangabe zu Unterschieden von mehreren Zentimetern fuehren.

Realistische Toleranzen:

  • • Standardtoleranzen: +/- 10 mm bei Laengen bis 500 mm
  • • Standardtoleranzen: +/- 2 % bei Laengen ueber 500 mm
  • • Enge Toleranzen (< +/- 5 mm): Aufpreis 20-50 %
  • • Sehr enge Toleranzen (< +/- 2 mm): Aufpreis 100 %+ (Sondermessung)

Faustregel: Spezifizieren Sie nur so eng wie noetig. Jede unnoetig enge Toleranz verteuert die Pruefung und erhoet die Ausschussquote.

5. Umgebungsbedingungen

Temperatur, Feuchtigkeit, Vibrationen, IP-Schutzart

Die Einsatzumgebung bestimmt die Materialauswahl massgeblich. Dokumentieren Sie: Temperaturbereich (min/max/Dauerbelastung), relative Feuchtigkeit, Vibrationsprofil (Frequenz, Amplitude, Dauer) und die geforderte IP-Schutzart. Vergessen Sie nicht chemische Medien wie Oele, Kraftstoffe oder Reinigungsmittel.

Thermisch:

  • • Min./Max. Umgebungstemperatur
  • • Dauertemperatur vs. Spitzentemperatur
  • • Temperaturwechselbeanspruchung

Mechanisch/Chemisch:

  • • Vibrationsprofil und -dauer
  • • UV-, Ozon-, Salznebelbestaendigkeit
  • • Medienbestaendigkeit (Oele, Kraftstoffe)

6. Mechanischer Schutz

Ummantelung, Biegeradien, Zugentlastung, Befestigung

Definieren Sie die Art der Ummantelung (Geflechtschlauch, Wellrohr, Schrumpfschlauch, Textilband) und deren Position auf dem Kabelbaum. Geben Sie minimale Biegeradien an und spezifizieren Sie, wo Zugentlastungen und Befestigungspunkte benoetigt werden. Vergessen Sie nicht die Kantenrschutz-Tuelln an Durchfuehrungen.

Faustregel fuer Biegeradien: Mindestens 5x Kabeldurchmesser fuer statische Verlegung, 10x fuer dynamische Anwendungen mit regelmaessiger Bewegung.

7. Kennzeichnung und Beschriftung

Leitungs-/Bauteilkennzeichnung, Etiketten, Barcode

Eine gute Beschriftung erleichtert Montage, Wartung und Fehlersuche. Definieren Sie: Welche Leitungen werden gekennzeichnet? Mit welchem System (Nummern, Farben, Bedruckung)? In welchem Abstand? Und welche Informationen stehen auf dem Kabelbaum-Etikett (Teilenummer, Revision, Herstelldatum, Barcode)?

Typische Kennzeichnungsoptionen:

  • • Schrumpfschlauch-Markierer mit Bedruckung
  • • Klebeetiketten (fuer geschuetzte Bereiche)
  • • Laser-/Inkjet-Bedruckung direkt auf der Leitung
  • • Kabelbinder mit Beschriftungsfeld

8. Normen und Zertifizierungen

IPC/WHMA-A-620, DIN VDE, ISO 6722, UL, CE

Listen Sie alle anwendbaren Normen und Zertifizierungen auf. Die IPC/WHMA-A-620 ist der weltweit anerkannte Qualitaetsstandard fuer Kabelbaeume. Fuer den europaeischen Markt gelten DIN VDE Normen, fuer Automotive ISO 6722, fuer den US-Markt UL-Zulassungen. Vergessen Sie nicht RoHS und REACH Compliance.

BrancheTypische NormenSpezifikationstiefeDokumentationsaufwand
AutomotiveIATF 16949, ISO 6722, LV 112Sehr hochSehr hoch
MedizintechnikISO 13485, IEC 60601Sehr hochSehr hoch
Industrie / MaschinenbauIPC-A-620, DIN VDE, CEMittelMittel
KonsumelektronikUL, CE, RoHSStandardNiedrig

9. Pruefanforderungen

Elektrische, mechanische und Umweltpruefungen

Definieren Sie exakt, welche Pruefungen durchgefuehrt werden muessen -- und ob als 100%-Pruefung oder Stichprobe (AQL-Level). Lesen Sie dazu unseren ausfuehrlichen Guide Top 5 Pruefverfahren fuer Kabelbaeume.

Elektrisch:

  • • Durchgangspruefung
  • • Isolationswiderstand
  • • Hochspannung (HiPot)
  • • Widerstandsmessung

Mechanisch:

  • • Zugpruefung (Crimp)
  • • Crimphoehenpmessung
  • • Laengenmessung
  • • Sichtpruefung

Umwelt:

  • • Temperaturwechsel
  • • Feuchte-Waerme
  • • Salzspruehtest
  • • Vibrationspruefung

10. Stueckliste (BOM) und Zeichnungen

Bill of Materials, Kabelbaumzeichnung, 3D-Modell

Die Stueckliste (Bill of Materials) ist das Herzsstueck jeder Bestellung. Sie listet jedes einzelne Teil mit Hersteller, Teilenummer und Menge auf. Ergaenzt wird sie durch eine massstabsgetreue Kabelbaumzeichnung mit allen Laengen, Verzweigungen und Steckerpositionen. Idealerweise liefern Sie auch ein 3D-Modell des Einbauraums.

Eine vollstaendige BOM enthaelt:

  • • Position, Beschreibung, Hersteller, Teilenummer
  • • Menge pro Kabelbaum, Einheit (Stueck, Meter)
  • • Alternative Teilenummern (Second Source)
  • • Materialzertifikate oder Datenblatt-Verweise
Kabelbaum-Produktionslinie mit Qualitaetskontrolle

Serienfertigung: Eine praezise Spezifikation ist die Grundlage fuer fehlerfreie Produktion

Haeufige Fehler bei der Spezifikation

Selbst erfahrene Ingenieure machen diese Fehler. Jeder einzelne kann Tausende Euro kosten -- oder Monate an Projektverzoegerung verursachen. Pruefen Sie Ihre Spezifikation gegen diese Liste, bevor Sie sie freigeben.

80%

der Verzoegerungen durch unvollstaendige Spezifikationen

10x

Mehrkosten durch ueberenge Toleranzen

3-5 Tage

technische Klaerung pro Rueckfrage

15-25%

Ersparnis durch fruehe Lieferanten-Einbindung

1

Ueberspezifikation -- zu enge Toleranzen

+/- 1 mm auf eine 2-Meter-Leitung klingt professionell, kostet aber das Zehnfache einer Standardtoleranz von +/- 20 mm. Jede enge Toleranz erfordert Sondermessungen, 100%-Pruefung und erhoet die Ausschussquote. Fragen Sie sich bei jeder Toleranz: „Was passiert, wenn die Leitung 20 mm laenger ist?“ Wenn die Antwort „Nichts“ lautet, lockern Sie die Toleranz.

Kostenwirkung: bis zu 10x Mehrkosten bei Pruefung und Fertigung

2

Unterspezifikation -- fehlende Angaben

Das Gegenteil ist genauso schaedlich. Fehlende Umgebungsbedingungen, unspezifizierte Stecker oder „Standard“ ohne Definition fuehren dazu, dass der Lieferant Annahmen trifft. Diese Annahmen stimmen selten mit Ihren Erwartungen ueberein. Das Resultat: zeitraubende Klaerungsschleifen oder -- noch schlimmer -- falsch gefertigte Kabelbaeume.

Kostenwirkung: 3-5 Tage Verzoegerung pro fehlender Angabe

3

Inkompatible Leitung-Terminal-Paarungen

Ein 0,5 mm2-Kabel in einen Terminal fuer 1,0-2,5 mm2 zu crimpen, funktioniert nicht zuverlaessig. Umgekehrt passt ein 2,5 mm2-Kabel nicht in einen 0,5 mm2-Terminal. Pruefen Sie fuer jede Kombination das Datenblatt des Terminal-Herstellers und stellen Sie sicher, dass Leiterquerschnitt und Isolationsaussendurchmesser im zulaessigen Bereich liegen.

Kostenwirkung: Komplette Neufertigung bei Feldfruehausfaellen

4

Umgebungsbedingungen vergessen

Standard-PVC-Kabel im Motorraum, normale Stecker in feuchter Umgebung oder flexible Leitungen unter dauerhafter UV-Bestrahlung. Wenn die Umgebungsbedingungen nicht in der Spezifikation stehen, waehlt der Hersteller das guenstigste Material -- und das ist selten das richtige.

Kostenwirkung: Feldausfaelle nach 6-12 Monaten, Rueckrufrisiko

5

Kein Aenderungsmanagement

Aenderungen per E-Mail, ohne Revisionsnummer, ohne formale Freigabe. Der Lieferant fertigt nach Version 3, der Einkauf bestellt nach Version 5, die Qualitaetssicherung prueft nach Version 1. Das Chaos ist vorprogrammiert. Jede Zeichnung braucht eine Revisionsnummer und ein Freigabedatum.

Kostenwirkung: Komplette Chargen nach falschem Stand gefertigt

6

Recycelte Teilenummern

Eine alte Teilenummer fuer einen neuen, veraenderten Kabelbaum wiederzuverwenden, ist einer der gefaehrlichsten Fehler. Im Lager liegen noch alte Bestaende, das ERP zeigt identische Nummern, aber die Produkte sind verschieden. Jede Designaenderung erfordert eine neue Teilenummer -- ausnahmslos.

Kostenwirkung: Verwechslungen, Montageprobleme, unentdeckte Fehler

HZ

Hommer Zhao

Geschaeftsfuehrer & Gruender, Wiringo

Zu den haeufigsten Fehlern:

„Der teuerste Fehler, den ich sehe, ist die Ueberspezifikation. Ingenieure wollen auf der sicheren Seite sein -- verstaendlich. Aber +/- 2 mm auf jede Leitung, IP68 fuer einen Innenraum-Sensor und 100 % Hochspannungspruefung fuer eine 12-Volt-Anwendung treiben die Kosten um den Faktor 3-5 in die Hoehe -- ohne Mehrwert.“

„Mein Rat: Spezifizieren Sie das, was Sie wirklich brauchen. Und wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Hersteller. Ein guter Partner sagt Ihnen ehrlich, wo Sie Geld sparen koennen -- und wo Sie besser nicht sparen sollten.“

Die beste Spezifikation ist praezise genug, um Fehler zu vermeiden -- und flexibel genug, um fertigungsgerecht zu bleiben.

Von der Spezifikation zur Angebotsanfrage (RFQ)

Ihre Spezifikation ist fertig? Dann ist es Zeit fuer die Angebotsanfrage (Request for Quotation). Eine gute RFQ enthaelt neben der technischen Spezifikation auch alle kaufmaennischen Rahmenbedingungen. So erhalten Sie vergleichbare Angebote und vermeiden Rueckfragen.

Was Ihr Lieferant fuer ein Angebot braucht:

1

Kabelbaumzeichnung (2D/3D)

Massstabsgetreu mit allen Laengen, Verzweigungen und Steckerpositionen.

2

Stueckliste (BOM)

Vollstaendige Materialliste mit Hersteller-Teilenummern und Alternativen.

3

Technische Spezifikation

Alle 10 Punkte aus dieser Checkliste, zusammengefasst in einem Dokument.

4

Stueckzahl und Abrufplanung

Jahresmengen, Losgroessen, geplante Abruffrequenz.

5

Zielpreis (optional, aber hilfreich)

Ein realistischer Zielpreis hilft dem Hersteller bei der Optimierung.

6

Liefertermin und Lieferbedingungen

Wunschtermin, Incoterms, Verpackungsvorschriften.

7

Qualitaetsanforderungen

Pruefumfang, AQL-Level, erforderliche Zertifikate.

Praxis-Tipp

Erfahrene Hersteller wie wellpcb.com bieten eine schnelle technische Klaerung innerhalb von 24 Stunden. Senden Sie Ihre Spezifikation frueh, auch wenn sie noch nicht perfekt ist -- ein guter Partner hilft Ihnen, Luecken zu erkennen und zu schliessen, bevor sie zu Problemen werden.

Kabelbaum-Prototyp und Musterfertigung

Prototyp-Pruefung: Vom Muster zur Serie -- mit praeziser Spezifikation

Praxistipps fuer die Zusammenarbeit mit Ihrem Hersteller

Eine gute Spezifikation ist der Anfang. Die beste Zusammenarbeit entsteht, wenn Entwicklung und Fertigung fruehzeitig zusammenarbeiten. Hier sind bewaehrte Strategien fuer eine reibungslose Partnerschaft:

1

Fruehe Einbindung des Herstellers (Design-to-Cost)

Beziehen Sie Ihren Kabelbaumhersteller bereits in der Konzeptphase ein. Partner wie wellpcb.com unterstuetzen bereits in der Designphase mit Fertigungs-Know-how. Ein erfahrener Fertiger erkennt sofort, wo Standardkomponenten teure Sonderloesungen ersetzen koennen und wo eine vereinfachte Steckerbelegung den Montageaufwand halbiert.

Einsparpotenzial: 15-25 % durch Design-to-Cost

2

Muster vor Serienfreigabe -- immer

Bestellen Sie immer ein Erstmuster und pruefen Sie es im realen Einbauraum. Kein CAD-Modell ersetzt den physischen Test. Dokumentieren Sie die Musterfreigabe schriftlich mit Pruefprotokoll. Erst nach Freigabe beginnt die Serienfertigung.

Ein Erstmuster kostet 200-800 EUR -- eine falsche Serie 10.000+ EUR

3

Klare Kommunikationsregeln definieren

Legen Sie fest: Wer ist der technische Ansprechpartner? Ueber welchen Kanal laufen Aenderungen (nicht per E-Mail, sondern ueber ein formales ECR/ECO-System)? Wie schnell muessen Rueckfragen beantwortet werden? Klare Regeln verhindern Kommunikationsluecken.

4

Offenheit fuer Optimierungsvorschlaege

Ein guter Hersteller wird Ihnen Verbesserungsvorschlaege machen -- guenstigere Materialien, bessere Steckerwahl, optimierte Verlegewege. Horen Sie zu. Die besten Kabelbaeume entstehen im Dialog zwischen Entwicklung und Fertigung, nicht im Elfenbeinturm.

HZ

Hommer Zhao

Geschaeftsfuehrer & Gruender, Wiringo

Zur Zusammenarbeit mit dem Hersteller:

„Die erfolgreichsten Projekte sind die, bei denen der Kunde uns frueh einbezieht -- nicht erst, wenn die Zeichnung fertig ist. In der Designphase koennen wir noch Einfluss nehmen: Standardstecker statt Sonderkonstruktionen, fertigungsgerechte Laengen, optimierte Verzweigungspunkte. Das spart 15-25 % der Kosten.“

„Mein wichtigster Rat: Behandeln Sie Ihren Kabelbaumhersteller als Partner, nicht als reinen Zulieferer. Teilen Sie Ihr Zielbudget, erklaeren Sie den Einsatzzweck, beschreiben Sie den Einbauraum. Je mehr wir verstehen, desto besser koennen wir Ihnen helfen.“

Ein Kabelbaum ist kein Commodity -- er ist ein massgeschneidertes Bauteil, das von der Zusammenarbeit lebt.

Qualitaetspruefung in der Kabelbaumfertigung

Qualitaetskontrolle: Der letzte Schritt vor der Auslieferung -- definiert durch Ihre Spezifikation

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

1Was gehoert mindestens in eine Kabelbaum-Spezifikation?

Mindestens: Kabelbaumzeichnung mit Laengen, Stueckliste (BOM) mit Teilenummern, elektrische Anforderungen (Spannung, Strom), Steckerbelegung, Umgebungsbedingungen und Pruefanforderungen. Ohne diese sechs Punkte kann kein serioser Hersteller ein zuverlaessiges Angebot erstellen.

2Welche Toleranzen sind fuer Kabellaengen ueblich?

Standardtoleranzen liegen bei +/- 10 mm fuer Laengen bis 500 mm und +/- 2 % fuer laengere Leitungen. Engere Toleranzen (+/- 5 mm oder weniger) sind moeglich, erhoehen aber die Kosten um 20-100 %. Spezifizieren Sie nur so eng wie fuer die Funktion noetig.

3Welche Norm gilt fuer die Kabelbaumfertigung?

Die IPC/WHMA-A-620 ist der weltweit anerkannte Standard fuer Kabelbaeume und Kabelkonfektionen. Sie definiert drei Klassen: Klasse 1 (Gebrauchselektronik), Klasse 2 (Industrieelektronik) und Klasse 3 (Hochleistungselektronik). Fuer Automotive gilt zusaetzlich LV 112/ISO 6722, fuer Medizintechnik IEC 60601.

4Wie detailliert muss die Pinbelegung sein?

So detailliert wie moeglich: Pinnummer laut Hersteller, zugeordnete Kabelfarbe, elektrische Funktion, Ansichtsrichtung (Stecker- oder Buchsenseite) und ob im gesteckten oder ungesteckten Zustand. Idealerweise mit Foto oder Zeichnung des Steckers mit Markierung von Pin 1.

5Muss ich EMV-Anforderungen in der Spezifikation angeben?

Ja, wenn Ihr Produkt CE-konform sein muss oder in einer EMV-sensiblen Umgebung eingesetzt wird. Geben Sie an, welche Leitungen geschirmt werden muessen, welchen Schirmtyp Sie benoetigen (Geflecht, Folie, beides) und wie der Schirm aufgelegt werden soll (beidseitig, einseitig, kapazitiv).

6Wie kann ich die Spezifikation vor dem Versand ueberpruefen?

Gehen Sie die 10-Punkte-Checkliste in diesem Artikel systematisch durch. Lassen Sie die Spezifikation von einer zweiten Person gegenlesen (Vier-Augen-Prinzip). Pruefen Sie, ob jede Leitung einem Steckerpin zugeordnet ist und ob alle Teilenummern aktuell sind. Senden Sie die Spezifikation an Ihren Hersteller zur Vorabpruefung -- erfahrene Partner erkennen Luecken sofort.

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Ueber den Autor

Hommer Zhao ist Gruender und Geschaeftsfuehrer von wiringgerman.com mit ueber 15 Jahren Erfahrung in der Kabelbaumfertigung. Er hat ueber 2.000 Kabelbaum-Projekte begleitet und weiss aus erster Hand, welche Angaben in einer Spezifikation wirklich zaehlen -- und welche Fehler die teuersten Konsequenzen haben.

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